Siebold-Museum

Deutsch-Japanisches Forum Würzburg

Sonderausstellung

The making of: Suzukazumi

Kalligraphietusche aus Suzuka — Kleinode des japanischen Kunsthandwerks

Kalligraphien von Frank Merten

Ausstellungskuratorin: Beate Wonde

Eröffnung: 17. Juni 2022, um 17.30 Uhr

Haben Sie selbst schon einmal an einem Kalligraphie-Kurs teilgenommen oder ziert ihr Heim bzw. Büro eine Kalligraphie? Das Interesse an der Kunst bzw. dem Weg des Pinselschreibens wächst. Doch wer hat sich je Gedanken gemacht über „die Kunst vor der Kunst“, also wie das Material dieser Kunst, hier die Kalligraphie-Tusche über viele Stufen und Jahre entsteht? Welche geographischen und klimatischen Voraussetzungen dafür nötig sind, woraus Tusche überhaupt besteht, damit sie hält und so zart duftet, welche Vielfalt es im Reich dieser filigran verzierten Tuschsteine es gibt?

Sobald der Kalligraph zum Pinsel greift, ist die Arbeit des Tuschemeisters getan. Seine Arbeit verschwindet, löst sich auf, transformiert ins künstlerische Werk. Wie gut und ausdrucksstark dieses wird, hängt von der Qualität der Vorarbeit des Tuschemeisters ab.

Während eines Studienaufenthaltes an der Mie-Universität 2010 lernte die Kuratorin der Ausstellung in Suzuka — neben Nara dem Zentrum der traditionellen Tusche-Herstellung in Japan — Meister Kidô in der Werkstatt seiner Firma Shinseidô Co.,Ltd kennen. Damals entstand die Idee, dieses traditionelle Handwerk auch in Deutschland vorzustellen. Ein Komitee wurde gegründet und bei einer Veranstaltung um Unterstützung geworben. 2019 konnte die als Wander-Ausstellung konzipierte Präsentation in der Mori-Ôgai-Gedenkstätte gezeigt werden. Zur Langen Nacht der Museen führte Meister Kidô in Berlin vor, wie aus einen rabenschwarzen Tuscheteig Tuschsteine geformt werden.

Text Museumsjournal – anlässlich der Ausstellung 2019 in der Mori-Ôgai-Gedenkstätte – hier

Nach zwei Jahren Corona-Aufschub freuen wir uns, diese Präsentation nun im Siebold-Museum zeigen zu können, und zwar dank der größeren Räumlichkeiten in einem Dialog mit Kalligraphien von Frank Merten.

Der Künstler Frank Merten hat sich intensiv mit japanischer, koreanischer und chinesischer Kalligraphie befasst und dabei einen ganz eigenen „Schreibstil“ entwickelt, der durch hohe Auszeichnungen in Korea und Japan - zuletzt 2018 mit dem Preis des japanischen Außenministers – Wertschätzung erfuhr. Bei ihm wird die Auseinandersetzung mit dem Fremden zu etwas ganz Eigenem, zu einem neuen bildlich-sinnhaften Ausdruck voller Spannung. Die Mehrzahl der ausgestellten Werke ist mit Tusche aus Suzuka/Suzukzumi entstanden.

Merten begann 1985 in Rostock mit dem Aktzeichnen, widmete sich der Radiertechnik, der Lithographie und Ölmalerei, bevor er seit 2001 den »Weg der Pinsel-Schrift« einschlug. Das kalligraphische Handwerk hat er von der Pike auf erlernt und verinnerlicht, schätzt das kreative Eins-Werden mit dem Augenblick im Prozess des Übens, das im Japanischen alles andere als ein freies Spiel mit dem Pinsel ist. Die hohe Kunst: Bei strengem Reglement und ständigem Wiederholen die Variabilität der sino-japanischen Schrift ausloten.

Erste eigene abstrakte Kalligraphien mündeten schließlich in dem Versuch, die Sprachbarriere zu überwinden und nun mit asiatischen Techniken Wortgruppen und Begriffe der eigenen Muttersprache als Sinn-Bild wiedererstehen zu lassen. Der Überraschungseffekt, dass das zunächst von Weitem als abstraktes Gebilde Wahrgenommene eigentlich Buchstaben-Arabesken sind, lässt den Betrachter verdutzt innehalten. Es hat zuweilen etwas von einem Sprachrätsel. Die Kommunikation der Wort- und Bildebene gebiert eine dritte assoziative Dimension. So weckt die bildhafte Wiederentdeckung des ursprünglichen Wortsinns Erinnerungen an etwas, was wichtig war und vielleicht wieder sein wird, an etwas, wofür das geschriebene Wort nur die Hülle bildet. Mertens Tuschespuren kommen leicht, fast spielerisch daher, haben etwas Verführerisches, Humorvolles, gerade weil den klaren Fragen, den doppelbödigen oder allzu menschlichen Begriffen aus der eigenen Sprachheimat nicht die Fremdheit anhaftet wie bei sino-japanischen Schriftzeichen, die hierzulande zumeist als Bild wahrgenommen werden und deren Sinn extra erklärt oder übersetzt werden muss.

Eröffnung: 17. Juni 2022, um 17.30 Uhr

Ausstellungsdauer: 18. Juni – 16. Oktober 2022

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 14.30 Uhr – 17.30 Uhr